HOME

Polyneuropathie - was ist das eigentlich?

  • Polyneuropathie ist eine Schädigung des peripheren Nervensystems, d. h. des Teils, der außerhalb des zentralen Nervensystems (Gehirn, Rückenmark) liegt.

Diese Nervenschädigungen sind meist irreparabel

Symptome und Beschwerden

Polyneuropathie
  • Missempfindungen und Schmerzen am Füßen, Beinen und Händen wie:
    • Kribbelgefühle
    • Ameisenlaufen
    • Taubheitsgefühl
    • Krämpfe
    • Prickeln
    • Brennen
    • Wenig oder kein Gefühl für Kälte und Wärme
  • Gangunsicherheit
  • Gleichgewichtsstörungen, auch beim Laufen und Stehen
  • Störung der Blasen-, Verdauungs- und Sexualfunktion
  • Nachlassen der Kraft

Häufige Ursachen von Polyneuropathien (PNP)

  • Es sind mehrere hundert Ursachen für Polyneuropathie bekannt. Aber nicht immer wird eine eindeutige Ursache festgestellt.
  • PNP durch Stoffwechselstörungen: Diabetes mellitus, Leber- und Nierenerkrankungen, Gicht, Schilddrüsenüber-/-unterfunktion, Vitaminmangel
  • PNP durch Infektionen: HIV-Infektion, Diphterie, Borreliose
  • PNP durch äußere Faktoren: Alkohol, Blei, Arsen, Thallium, Schwefelkohlenstoff, Medikamente
  • PNP durch Chemotherapien
  • PNP bei Tumorerkrankungen
  • PNP durch Gefäßveränderungen: Arteriosklerose, andere Kollagenosen
  • Hereditäre PNP: Genetisch bedingte Polyneuropathien
  • (Quelle: Husstedt, I. W. et al. Schmerztherapie interdisziplinär, Schattauer Verlag 2002)

Unterteilung in Gruppen nach Ursachen

  1. Die toxische PNP verursacht durch Medikamente, Genuß- , Gewerbe-, Haus- und Umweltgifte, Metalle ( z. B. Arsen, Amalgam usw.). Darunter fällt auch die PNP unklarer Genese, da sich durch die große Anzahl der zuvor aufgeführten Schadstoffe und ihrer Verbindungen die Ursache nicht ermitteln lässt. Chronischer Alkoholismus gehört auch zu den Ursachen dieser Gruppe

  2. PNP verursacht durch Hormon- Stoffwechselstörungen einschließlich der Erbkrankheiten (z.B. Diabetes). Die diabetische PNP macht 1/3 aller erkannten Fälle aus

  3. Durch Gefäßerkrankungen hervorgerufene PNP (z.B. Rheumatische Erkrankungen).

  4. Die entzündliche PNP durch Viren (z.B. Aids) oder Bakterien (z.B. Borreliose durch Zeckenbiß) verursachte Infektionen und Autoimmunmechanismen

  5. Polyneuropathie "Akutes Guillain-Barré Syndrom" GBS
    Es ist die einzige Polyneuropathie, die schnell beginnt,lebensbedrohlich ist, eine lange Rehabilitationsphase benötigt, aber in den meisten Fällen erholt sich der Patient wieder, muss aber auch mit Restdefiziten leben.

  6. CHARCOT-FUSS
    Eine schwere Komplikation des Diabetes mellitus ist der Charcot-Fuß - ein Krankheitsbild, das am Ende einer Reihe von akuten und chronischen Veränderungen der Fußgelenke steht und als eine Sonderform des diabetischen Fußsyndroms eingeordnet wird. Typ-1- und Typ-2-Diabetiker sind gleichermaßen gefährdet.Das Fatale ist, dass die Zerstörungen des Fußskeletts, die auch als Neuro - osteoarthropathie bezeichnet werden, infolge verminderterbeziehungsweise erloschener Sensibilität weitgehend schmerzarm verlaufen.

  7. Polyneuropathie im Alter
    Das periphere Nervensystem ist im Laufe des Alternsprozesses Veränderungen, wie Abschwächung von Muskeleigenreflexen und Propriozeption, unterworfen. Davon abzugrenzen sind Polyneuropathien (PNP) als krankhafte Erscheinungen, deren Ursachen mit denen in jüngeren Lebensabschnitten übereinstimmen. Neben metabolischen, immunmediierten, hereditären, toxischen und infektiösen Ätiologien können PNP Ausdruck von Systemerkrankungen sein. Beim älteren Patienten scheinen sie im Zusammenhang mit Diabetes, monoklonalen Gammopathien und Malignomen häufiger aufzutreten. Mithilfe eines systematischen Zugangs wird in der Mehrzahl der Fälle die spezifische Diagnose gestellt. Bei alten Menschen tragen PNP zur Beeinträchtigung der Mobilität bei; daher sind ihre funktionellen Fähigkeiten abzuklären. Therapeutische Maßnahmen adressieren primär die Grundkrankheit und den neuropathischen Schmerz. Physiotherapie und Maßnahmen zum Erhalt der Alltagsfähigkeit ergänzen das Spektrum.

Diese Nervenschädigungen sind meist irreparabel

Was wir tuen können:

  1. Internistische Abklärung durch den Hausarzt
  2. Untersuchung auf: Diabetes mellitus (Blutzucker) mit Feststellung des Blutzuckerlangzeitwertes H b A1C, toxische Substanzen (z. B Arbeitsplatz), Alkoholkonsum, Rheuma-Faktoren, Überprüfung der einzunehmenden Medikamente, ob sie eine PNP verursachen oder verschlimmern (z. B. Cholesterinsenker mit dem Wirkstoff Atorvastatin oder ein Diuretikum- Entwässerungsmed. im Rahmen d. Bluthochdrucktherapie o. Behandlung d. Herzinsuffiziens mit dem Wirkstoff (Hydrochlorothiazid.)
  3. Neurologische Abklärung durch den Facharzt
  4. Untersuchungstechniken:Prüfung mit einer kalibrierten Stimmgabel an verschiedenen Stellen. Prüfung mit spitzem Nadelrädchen über verschiedene Extremitäten Druck- und Dehnungsempfindlichkeit der Nervenstämme und Wadendruckschmerz (Außenseite der Mitte des Oberarmes, etwas unterhalb der Leiste und in der Mitte der Kniekehle) Strichgang mit geschlossenen Augen, bei dem auf einem imaginären Strich - Hacke vor Fußspitze - gegangen werden muss. Prüfung, ob motorische Schwäche im Sinne einer raschen Ermüdbarkeit bei Armen und Beinen nachweisbar ist, Fußheber- und Zehenheberschwäche (selten) Neurologische Untersuchung mit NLG (Feststellen der Nervenleitgeschwindigkeit). E M G (Elektromyographie = Elektrophysiologische Untersuchung) In neurologischen Kliniken wird öfters bei einer PNP unklarer Genese (unklarer Ursache) Nervenwasser entnommen und eine Muskel- und Nervenbiopsie durchgeführt. Selten wird aber dabei die Ursache entdeckt.
  5. Festlegung der Therapie mit den Ärzten
  6. Medikamente der Schulmedizin. Krankengymnastik durch Therapeuten mit neurophysiologischer Ausbildung. Bei Paresen (Lähmungen). Behandlung durch Ergotherapeuten. Verordnen von Hilfsmitteln (z.B. Orthopädische Schuhe,-Schienen usw.)
Viele Patienten mit PNP werden als Simulanten abgetan oder fälschlicherweise als Kranke mit Depressionen, Psychosen oder Hysterien eingeordnet.